Boxdorf testet Schulmodell

Sächsische Zeitung
Freitag, 9. März 2007
Von Sven Görner

SchulhausDer Aufbau einer neuen Gemeinschaftsschule kann im Sommer starten. Bisher gibt es davon nur zwei in Sachsen. Bilduntertitel: In dem alten Schulgebäude der Kurfürst-Moritz-Mittelschule in Boxdorf soll ab Sommer nach einem neuen Konzept unterrichtet werden.Foto: Lutz Weidler

Die Regierungskoalition in Dresden hat sich darauf verständigt, dass die Kurfürst-Moritz-Mittelschule in Boxdorf gemeinsam mit drei weiteren Kandidaten Gemeinschaftsschulen einrichten darf. „Ich bin total glücklich“, sagte gestern Mittag Musiklehrer Heiko Vogel. „Viele Ideen, die wir haben, können wir jetzt umsetzen.“

 

Diese neue Schulform soll den Schülern ein längeres gemeinsamen Lernen ermöglichen. Der Start für den zunächst auf sechs Jahre befristeten Versuch erfolgt schon im Sommer mit Beginn des Schuljahres 2007/08. Bisher gibt es in Sachsen erst zwei Gemeinschaftsschulen.

Luisenstift ist Partner

„Unser Konzept sieht vor, dass Schüler, die das Abitur machen wollen, nach der 9. Klasse ans Gymnasium wechseln“, sagt Vogel, der die Arbeitsgruppe Gemeinschaftsschule an der Boxdorfer Schule leitet. Deren Schulkonferenz hatte Mitte Januar einstimmig beschlossen, den Antrag auf Einrichtung einer Gemeinschaftsschule beim Kultusministerium zu stellen. Auch die Gemeinde Moritzburg als Schulträger steht voll hinter dem Projekt.

Als Partner haben die Boxdorfer das Radebeuler Luisenstift-Gymnasium gewonnen. „Das Luisenstift würde die interessierten Schüler dann ab der 10. Klasse übernehmen“, ergänzt Vogel. Prinzipiell müssen die pädagogischen Konzepte der Gemeinschaftsschulen zwar so aufgebaut sein, dass die Schüler die sächsischen Bildungsziele erreichen, dennoch könnte es beim Wechsel ans Gymnasium Probleme geben. „Die Lehrpläne umfassen immer zwei Schuljahre, so auch die Klassen 9 und 10“, erklärt Heike Stolzenhain, die Leiterin des Luisenstiftes. „Innerhalb dieser zwei Jahre können Themenbereiche beliebig geschoben werden. Wir werden darum unsere Inhalte mit der Boxdorfer Schule abstimmen, damit wir unseren Schülern in der 9. Klasse nichts vermitteln, was die Neuzugänge aus Boxdorf noch nicht hatten“, ergänzt Heike Stolzenhain.

Heiko Vogel sieht die Gemeinschaftsschule als deutliches Plus für die Schüler. „Wir haben viele Schüler, die nach ihrem erfolgreichen Realschulabschluss das Abitur machen wollen, was für sie aber bisher ein zusätzliches Jahr bedeutet, weil sie am Gymnasium noch einmal die 10. Klasse absolvieren müssen oder drei Jahre auf ein berufliches Gymnasium gehen".

Zudem ermögliche die Gemeinschaftsschule, den Schülern mehr individuelle Hilfe aber auch mehr eigene Gestaltungsspielräume zu geben. Auf die jetzt übliche Trennung der Schüler nach den Bildungsgängen Hauptschule, Realschule und Gymnasium wird verzichtet. „Ich finde es gut, wenn starke und schwache Schüler gemeinsamen lernen und das Niveau insgesamt angehoben wird“, unterstützt Bürgermeister Georg Reitz (CDU) das Konzept.

 Anmeldesoll bereits erreicht

„Riesig gefreut“ hat sich auch ein anderer Moritzburger: Martin Dulig, der bildungspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion. „Die SPD steht für dieses Projekt. Die skandinavischen Länder machen es uns vor, wie mehr Schüler eine Chance auf eine höhere Bildung bekommen.“ In der Teilnahme der Boxdorfer am Schulversuch sieht Dulig auch eine Stärkung des Schulstandortes. „Die Mittelschule Geithain als erste Gemeinschaftsschule Sachsens hatte mit rund 40 Fünftklässler vorher immer gerade so die erforderliche Anzahl. Jetzt sind es um die 70 Anmeldungen."

In dieser Richtung müssen sich die Boxdorfer derzeit keine Gedanken machen. „Wir haben bereits am Dienstag, dem ersten Anmeldetag, die für zwei Klassen erforderliche Mindestschülerzahl von 40 überschritten“, freut sich Vogel.

"Allerdings hoffen wir, dass jetzt schnell Mittel bereit gestellt werden, damit der geplante Um- und Ausbau der Schule beginnen kann.“

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